Höchste Schneehöhe seit 14 Jahren im Fläming

 

Am Sonntag überraschte uns das Wetter mit einem erneuten Wintereinbruch im Fläming. Gleich mehrere Rekorde wurden hier gebrochen. Zum einen war es für die Region südlich von Berlin die höchste Schneehöhe seit dem Januar 1987, wo bis zu 32 cm lagen. Für Berlin wurde die Marke schon am 4. Februar gebrochen. Zum anderen war es der größte Neuschneezuwachs in einer Zeiteinheit. Insgesamt wurden zwar 21 cm Schnee in 26 Stunden gemessen, aber 17 cm Zuwachs hatte man davon in den letzten 14 Stunden. Das hat man selbst 1987 nicht geschafft.  Und noch ein Rekord dürfte gefallen sein. In meinen Aufzeichnungen gibt es keinen Hinweis darauf, dass es an einem so späten Termin schon mal eine solch hohe Schneedecke gegeben hat. Leider ist die Pracht nicht von Dauer, da am Mittwoch Warmluft herangeführt wird.

    Aber wie kam es dazu. Schon seit Tagen beeinflussten uns Tiefdruckgebiete, die mit ihren Kernen mehr oder weiniger über unser Gebiet zogen. Das letzte Sturmtief zog mit seinem Kern am 19. März über Seehausen, Neuruppin und Angermünde. Auch ungewöhnlich ist die enge Zugfolge und Anzahl der Tiefs. Die Zugbahn der Tiefdruckrinne mit seinen Teiltiefs hat sich nun vor 3 Tagen etwas südlicher im Alpenraum etabliert. Gleichzeitig bildete sich ein Hoch über Skandinavien. Das Tief, das vornehmlich für die Bildung des Schneefallgebietes zuständig war, schaffte an seiner Südostflanke warme und feuchte Luft aus Südwesten heran. Das gerade entstandene Hoch seinerseits schaffte auf der Ostflanke kalte Polarluft heran. Somit konnte die warme und feuchte Luft auf die Polarluft aufgleiten. Dabei bildete sich das Niederschlagsgebiet. Dies allein hätte aber für die Schneemassen nicht gereicht. Zwei weitere Faktoren führten erst dazu. Zum einen waren Hoch und Tief gleich kräftig. Dies führte dazu, dass das Niederschlagsfeld nahezu stationär war. Das erklärt die Ausdauer. Die Niederschlagsmenge ist durch den sehr hohen Temperaturgradienten zu erklären. Da beide Drucksysteme gegeneinander steuerten, kam es zu einer Art Stauchung. So konnte man auf sehr geringer Entfernung hohe

 


Temperaturdifferenzen feststellen, etwa 12 Kelvin auf 200 km. Die Störungslinie lag zudem fast waagerecht. Dies erinnert an die Wetterlage von 1978/79 bei der sich auch ein sehr großes Temperaturgefälle zwischen Nord und Süd aufbauen konnte. An der Luftmassengrenze, die etwa quer über den Fläming ging, schneite es somit am heftigsten. Südlich hinter der Elbe war es Anfangs so warm, dass es nur regnete oder Eiskörner fielen. Schnee kam erst im Laufe des Sonntags hinzu, als die Kaltluft etwas die Oberhand gewann. Durch das ständige Aufgleiten der Luft von Süden regenerierte sich das Niederschlagsfeld immer wieder von neuem. Weiter im Norden, etwa oberhalb von Berlin war die Polarluft aber so stark, das sich dort das Schneefallgebiet wieder stetig auflöste und der Norden gar keinen Niederschlag mehr bekam. So war es letztendlich ein ständiges Wechselspiel zwischen Aufgleiten von Süden und Hebungsprozessen von Norden, die eine schauerartige Verstärkung nach sich zogen.

Seit dem Sonntagmorgen schneite es. Dabei kam ein Gemisch von Schnee, Schneegriesel, später dann auch von Eiskörnern zu Stande. Es war aber noch so warm, dass der Neuschnee immer wieder nachtaute, so dass es sich die Waage hielt, etwa bei 4 cm. Ab 19 Uhr sank die Temperatur dann unter 0°C, so dass der Neuschnee nicht mehr nachtaute. Da blieb der Schnee auch auf den Straßen liegen und führte zu massiver Schneeglätte. Im weiteren Verlauf wurde daraus starker Schneefall mit Sichtweiten unter 800 m. Gegen 23 Uhr waren es dann schon 12 cm Schnee. Am Montag Morgen war dann die 

Neuschneedecke in Jänickendorf und Mühlanger auf stolze 20 cm angewachsen. Damit sind nun auch 176% der normalen Niederschlagsumme aufgelaufen. Der Fläming war somit das Zentrum der Aktivitäten Jüdenberg (Dübener Heide) hatte in geschützten Lagen 21 cm. Alle weiter liegenden Stationen hatten deutlich weniger Schnee abbekommen. Nördlich von Neuruppin und Angermünde war verhältnismäßig gutes Wetter. Dort fiel kein Niederschlag mehr. Auch in Leipzig waren es nur noch 5 cm.

Hier die Schneehöhen am 26. März 2001


Neuenhagen: 8 cm
Berlin-Dahlem 12 cm
Magdeburg: 18 cm
Jänickendorf: 20 cm
Kolzenburg: 22 cm
Mühlanger: 20 cm
Köthen: 17 cm
Jüdenberg: 21 cm
Gräfenhainichen: 15 cm
Sennewitz: 5 cm
Halle: 5 cm
Kamenz: 7 cm 

 


Am Vormittag zogen dann die Wolken ab und die Sonne konnte nach einer Woche endlich mal wieder scheinen. In der Nacht zu Dienstag (27.) kam es durch die Schneedecke zu starkem Frost. In der Luft konnten da Werte von minus 10,7 °C und am Erdboden sogar minus 14,3°C gemessen werden. Am Tage blieben die Werte unter 0°C. Der Schnee taute also noch nicht. Erst am Mittwoch kamen die wärmeren Luftmassen und machten dem Winter bis zum Donnerstag ein schnelles Ende.
Marco Ringel
Wetterstation Jänickendorf

  

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