Squall-Line über Süd- und Ostdeutschland sorgt für heftige Gewitter 
mit Starkregengüssen und Windböen bis zu 130 km/h und Hagelschlag

 

    Am Sonnabend Vormittag bildete sich vor einem Regengebiet, das sich über Baden-Württemberg und Bayern erstreckte, eine Squall-Line. Diese erreichte in den Nachmittagsstunden gegen 15 Uhr bereits München. Neben heftigen Gewittergüssen gab es auch starke Böen. In Bayern starben durch das Unwetter drei Menschen, Dutzende wurden verletzt. In Oberbayern waren durch das Unwetter Hunderttausende von der  Stromversorgung abgeschnitten. Die Sturmböen erreichten hier wie auch später  in Sachsen Spitzengeschwindigkeiten von rund 100 Stundenkilometern. Da zu diesem Zeitpunkt in Süddeutschland die Temperatur schon weit gefallen war, sie lag etwa bei 16 bis 19°C, schwächte sich die Gewitterfront auf ihren Weg Richtung Nordosten erst einmal ein wenig ab. Erst in der Höhe von Dresden formierte sie sich am frühen Abend gegen 19.30  wieder zu einer starken Squall-Line. Dabei kam sie aber zunächst nur noch schleppend voran. Das ist besonders an den Niederschlagwerten zu sehen. So kamen in Dresden nur 3 Liter herunter. Weit mehr waren es dann nördlich und westlich davon.

 

Erster Donner war in Jänickendorf gegen 21.05 Uhr im Südosten zu vernehmen. Dabei handelte es sich aber um ein Gewitter, was lange stationär um diese Zeit über Lauchhammer hing. In Mühlanger vernahm man den ersten Donner um 22.11 im SSE. In Teltow maß man um 22.30 noch tropische 25,8°C. Von Gewitter war da noch keine Spur. Erst gegen 23 Uhr konnte dort erstes Wetterleuchten vermerkt werden. Zu dieser Zeit befand sich die Squall-Line in Höhe der Elblinie Roslau-Wittenberg, allerdings östlich von Jessen bis nach Polen reichend und nur sehr schwerfällig nach Norden vorankommend. Der Raum Dresden war zuvor zwischen 21.33 bis 21.39 im Zentrum  der Windböen Stärke 10 bis 11. Dabei wurden überall große Äste von den Bäumen gerissen, teils ganze Baumkronen herabgeschleudert. Im Dresdner Raum gewitterte es dann ab etwa 21.45 starker Intensität mit 1-2 Blitzen pro Sekunde. In Gröditz kamen bis 2.45 Uhr stolze 38 Liter zusammen. Bei Lauchhammer setze neben heftigsten Blitzen plötzlich starker Westwind  mit einem Staubsturm ein. Äste brachen dabei. Es kam zu Wolkenbrüchen und Hagelschlag (ca. 5mm). Abgeschlagene Äste kündeten auch die Hagelstreifen. Die Squall-Line zog dann das ursprünglich stationäre Gewitter mit nach Norden. In Finsterwalde lagen Äste auf der Strasse und es gab große Rinnsale. 
Ab Mitternacht intensivierte sich die Gewitterfront mit einer starken Zuggeschwindig-keitserhöhung und einem Linksschwenk Richtung Nordwesten, da der Ostwind noch sehr stark war. In Mühlanger gab es innerhalb von 10 min fast 7 mm mit Gewitter hoch 2. Aber sehr hohe Windgeschwindigkeiten wurden nun nicht mehr registriert.  Die Windspitze lag nur bei 14,5 m/s. 9,5 mm wurden dann bis 00.15 Uhr gemessen. Gegen 0.32 flaute hier die Gewitterfront langsam ab. Interessant ist auch, das vorwiegend Wolkenblitze zu sehen waren und nur wenige Erdblitze registriert wurden. Insgesamt kamen hier 14,5 mm vom Himmel. 
 


Niederschlagsverteilungskarte auf der Grundlage der Privaten Wetterstationen

Dafür ging es jetzt in Jänickendorf zur Sache. Gegen 23.40  erreichte die Böenlinie der Gewitterfront den Ort, die zu diesem Zeitpunkt noch an der Elbe befand. Auch hier nur Windspitzen von 13 m/s. Es blitzt heftig, seit 22.35 konnte 

man herrliches Wetterleuchten im Süden beobachten, das seit 23.30 in Gewitter hoch 1 übergegangen war. Gegen 0.30 Uhr kam die Squall-Line in den Zenitbereich der Station. Dabei verstärkte sich die Intensität dann auf zwei. Es war ein pausenloses Lichtermeer. Kurz nach halb 1 kam es dann zu zwei sehr nahen, etwa 200 bis 400 Meter entfernten Blitzeinschlägen. Der erste legte die Straßenbeleuchtung im Ort lahm. Der zweite musste in die Leitungen der Telekom gegangen sein, da alle meine Telefone anfingen zu klingeln, bis ich die Anlage vom Netz nahm. Glücklicherweise wurde nichts beschädigt. Auch die Station, die ja weitermessen musste, überstand diesmal alles schadlos. Zwischen 0.15 und 0.43 Uhr schüttete es 10 Liter, also 

 

WetterstationNiederschlagshöhe
Neuenhagen3,0 mm
Berlin3,6 mm
Teltow 8,5 mm
Potsdam3,0 mm
Woltersdorf10,9 mm
Holbeck18,0 mm
Jänickendorf 12,0 mm
Kolzenburg7,5 mm
Annaburg34,4 mm
Mühlanger21,2 mm
Wartenburg28,0 mm
Dessau26,0 mm
Halle 54,0 mm
Jessen 35,8 mm
Jüdenberg25,8 mm
Gräfenhainichen30,5 mm
Kamenz 7,4 mm
Gröditz38,0 mm
Bad Liebenwerda22,0 mm
Leipzig47,0 mm
Riesa62,5 mm
Dresden3,0 mm

Schauer hoch 2. Zu der Zeit hatte ich ein Gewitter im westlichen Zenit, eines direkt über dem Haus und ein weiteres in nordöstlichem Zenit. Die Blitze kamen dabei so gut wie aus jeder Richtung. Die Front zog in Richtung Nordwesten ab, so dass ab etwa 01.30 nur noch Wetterleuchten zu sehen war, das bis ca. 3 Uhr anhielt. Nachfolgend streifte uns dann noch das eigentliche nachgelagerte Regengebiet ein wenig.
Berlin streifte das Gewitter nur zwischen 1 und 2 Uhr. Ab 0.53Uhr gab es für einige Minuten einzelne sehr große Tropfen, die Regenhöhe bis zum Morgen betrug nur 3,6 mm. Gegen 1.20 Uhr ein Einschlag in nächster Nähe der Station Friedrichshagen im Erpetal.  Auch Neuenhagen meldete mäßiges Gewitter, Wetterleuchten ab 23:50, erster Donner 0:15 Uhr, größte Nähe 1:20, Ende 2:00. Kräftige Windböen konnten auch hier nicht bestätigt werden. Im weiteren  Verlauf zog die Squall-Line in Richtung Hamburg, wo sie am

  

Vormittag zerfiel. Der Nordosten des Landes hatte also von diesem Schauspiel überhaupt nichts anbekommen. Das Regengebiet, das der Gewitterfront nacheilte wurde hier weit nach Westen abgedrängt. So vielen in Dresden nur 3 Liter, in Leipzig dagegen schon 47mm mm. Die Region östlich der Elbe und nördlich des Flämings bekam von diesem Regengebiet praktisch gar nichts mehr ab und profitierte nur von den Gewittern. Daher kamen dort auch nur Mengen von 3 bis 18 Liter zusammen, statt der prognostizierten 50 bis 60 Litern. Diese wurden nur südwestlich der Elbe erreicht. In der Dübener Heide waren es schon mehr als 30 Liter. Im Vorharz wurden die 50 überschritten. Im Raum Erfurt wurden sogar 90 Liter erreicht. 
 
 

© regional-wetter.de
Marco Ringel

 

 

 

Email-Meldungen der Hobbymeteorologen
Uwe Gericke schrieb am 8.Juli 2001 um 22:48 Uhr: 
Das Gewitter in der Nacht zum 8.Juli streifte die Station nur zwischen 1 und 2 Uhr. Ab 0.53Uhr für einige Minuten einzelne sehr große Tropfen, Regenhöhe bis zum Morgen nur 3,6mm. Meist nur Wolkenblitze, nur gegen 1.20Uhr ein Einschlag in nächster Nähe. 
Manfred Brodeßer  schrieb am 8.Juli 2001 um 19:23 Uhr: 
Die seit Tagen angekündigte Unwetterfront ist völlig harmlos über Köln hinweggezogen. Nachdem schon Stunden vorher auf dem Radarbild das Heranrücken zu beobachten war, zog dann endlich gegen 1 Uhr nachts (Samstag 7.7.) eine schwache gewittrige Störung durch. Dazu einige Daten: Freitag bei großer Schwüle und wenig Sonne 31,3 °C. Das Gewitter brachte 3,8 mm Regen und nur 9,3 m/s Wind in Böen. Der Samstag war dann wolkig ohne jeden Regen bei einem Temperaturmaximum von 26,4 °C. Der heutige Sonntag, 8.7. war ein trüber anfangs windiger Tag (bis Windstärke 5, aber erst von 16 - 19 Uhr regnete es etwas (knapp 4 mm).Die Höchsttemperatur erreichte am Morgen noch gerade 20 °C und ist bis 19 h auf 17,3 °C zurückgegangen. Nun ist es auch bei konstantem Luftdruck von 1010 hpa nahezu windstill. 
Andreas Hoy schrieb am 8.Juli 2001 um 16:01 Uhr: 
Dresden-Flughafen gestern nur 3,0mm, Leipzig-Flughafen dagegen 47mm - auf dem Radarbild, was ich mir rückwirkend angeschaut habe, sahen die Intensitäten (stark) aber ziemlich gleich aus, wie kann es zu solch großen Unterschieden in den tatsächlichen Niederschlagsmengen kommen? 
Andreas Hoy schrieb am 8.Juli 2001 um 03:41 Uhr:
War ja ganz schön was los gestern und heute Nacht. Heute früh bei uns in Gröditz zähes Gewitter, über 2 Stunden leichte, teils mäßige Intensität mit wenig Niederschlag. War dann den ganzen Tag in Dresden, schönes Wetter, viel Sonne; ab 20 Uhr Wetterleuchten, ab 21 Uhr Ferngewitter, 21.33 bis 21.39 im Zentrum Windböen geschätzt Stärke 10, evtl. sogar 11, überall wurden große Äste von den Bäumen gerissen, teils ganze Baumkronen herabgeschleudert, man sollte sich jedenfalls um diese Zeit nicht in der Nähe von Bäumen aufgehalten haben; danach Böen nur noch Bft 5 bis höchstens 6; ab 21.45 Gewitter, alle Leuchterscheinungen starke Intensität, da ca.1-2 Blitze pro Sekunde, allerdings zu 95 oder mehr Prozent Wolkenblitze, deshalb auch keine allzu starken Donner hörbar; ab ca. 21.45 Niederschlag, war aber meiner Meinung nach nicht so viel, meine Schätzung liegt bei 5-8 Litern im Zentrum von Dresden bis 1.30 Uhr. Hier in Gröditz zur Zeit teilweise Regen, NS-Menge bis 2.45 Uhr ca. stolze 37 Liter, mehr gabs zuletzt beim Unwetter vom 24.8.1994, hier waren es ca. 54 Liter in 1,5 Stunden. 
Jens Tischer  schrieb am 8.Juli 2001 um 02:08 Uhr: 
Chasing-Tour in eine Zelle in Südbrandenburg. 21:15 bis 01:30 
Bin dabei auf dem Heimweg, in der Annahme, die Zelle nochmal zu erwischen fast bei Marco gelandet. Leider hatte ich keinen Radar, ich wusste nicht, dass aus Süden von Sachsen her eine Squallline eintrifft. Ursprünglich interessierte mich das Gewitter, was lange stationär gegen 21 Uhr über Lauchhammer hing. Aber da war ich erst losgefahren 
Meine Route 
Bin in Ruhland (bei Guteborn) auf die A13, kräftige Blitze zuckten bereits Richtung Finsterwalde. Da ich nicht wusste wo die Zelle genau ist, entschloss ich mich weiter, Richtung Lübben zu fahren. Dort bin ich dann praktisch-da nix zu sehen war- wieder Richtung SW gefahren. In Luckow war noch nichts. Es war aber gut sich von Norden an die Front heranzufahren. Richtung Finsterwalde dann rasch zunehmende Blitzintensität, dunkle Wolkenwand. Ich fuhr weiter von Finsterwalde Richtung Lauchhammer, neben heftigsten Blitzen setze plötzlich der starke Westwind ein. Es gab Staubsturm, mir blieb nichts anderes übrig als anzuhalten, um nicht Äste abzubekommen. 
Die Zellen war jetzt gut zu sehen, da ich noch Stückchen entfernt war. Ich fuhr Richtung Lauchhammer wo es zu Wolken- brüchen und Hagelschlag (ca. 5mm Größe) kam. Abgeschlagene Äste kündeten auch die Hagelstreifen. Ich bin später dann die ganze Strecke wieder zurückgefahren, einholen konnte ich die Gewitter nicht, da die Squallline das ursprünglich stationäre Gewitter mit nach Norden sog. Ich schaffte es nur noch bis Golzig? an das Gewitter heranzukommen. 
In Finsterwalde lagen Äste auf der Strasse und es gab grosse Rinnsale. 
Neuenhagen meldet mäßiges Gewitter Wetterleuchten 23:50, erster Donner 0:15 größte Nähe 1:20, Ende 2:00. Kräftige Windböhen können für Neuenhagen nicht bestätigt werden. Leider sind auch keine Werte verfügbar, weil der Mindmast 
von einer Spinne heimgesucht wurde, die das Windrad bei Windstille festwebt.
Christian Siemianowski
Es wird langsam etwas ruhiger. Nun wieder vorwiegend Wolkenblitze.  14,5 mm 23:10 UTC 
Achim Kuhn
Hier tobt z.Zt. der Affe: In 10 min fast 7 mm, Gewitter (2): Hört sich am, als ob etwas Hagel dabei ist. Windspitze soeben 14,5 m/s; 9,5 mm um 00.15 Uhr. Binnen 40 min exakt 12 mm. Mehrere Windspitzen bei 14 m/s. Gewitter flaut 
langsam ab (1). (22:32 UTC) 
Achim Kuhn
In Jänickendorf erreichte uns um 23.40  die Böenlinie der Gewitterfront, die zu diesem Zeitpunkt noch an der Elbe lag. Es treten gerade Windspitzen von 13 m/s auf. Es blitzt schon heftig, leichter Donner ist auch schon zu hören.
Seit 22.35 wieder Wetterleuchten im Süden, seit 23.30 in Gewitter hoch 1 übergegangen, Squall-Line befindet sich jetzt in Höhe der Elblinie Roslau-Wittenberg, allerdings östlich von Jessen bis nach Polen und kommt nur sehr schwerfällig nach Norden voran.
Marco Ringel
Jetzt ersten leichtes Wetterleuchten im Süden. Das Radar sieht ja genial aus.
Peter Rosenzweig
Komme gerade aus dem Garten, eben (22.30) noch tropische 25,8°C nach Max. 30,6°C. Von Gewitter noch keine Spur....Die Hellmänner warten...
Peter Rosenzweig
Der Klops ist recht gut im Radar zu sehen. Erster Donner in Mühlanger 20:11 UTC in SSE. Bisher Gewitter hoch 0.
Achim Kuhn
Die Squall-Line befindet sich gerade in Höhe Dresden, eine Gewitterzelle etwa Raum Doberlug. Erster Donner gegen 21.05 im Südosten von Jänickendorf.
Marco Ringel

 

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