23. Regionaltreffen am 14. Juli 2007 in Mühlanger

 

ThemenVorschläge 

  • Würdigung der verstorbenen Mitglieder Ingo Beele, Peter Rosenzweig
  • Besichtigung WB Teuchel – Bilder zum Vergleich: vorher – jetzt
  • Besichtigung der Orkan Spuren Reste
  • Vorstellung der Aufarbeitungen WB 1937 –  2007  inklus. Rekonstruktion der fehlenden Daten
  • 10 Jahre WST Mühlanger  Mittelwerte, Extremwerte, ExtremEreignisse
  • Zum Internetauftritt der Regionalgruppe
    - Zuverlässigkeit
    - Regelmäßigkeit der Datenbereitstellung
    - Umfang der Datenpräsentation
  • Säkularstation Potsdam – so Ralf Schmidt erscheint
  • Perspektiven DWD – Datenqualität – Datensicherheit
  • So das Wetter resp. der Wind mitspielt: Temperatur –  Wind – und Feuchtemessungen in höheren Schichten (100 – 300 m ü.G.) Höhenfreigabe beantragen (Nachfrage Klimke)

Achim Kuhn

 

 

Die Kontraste hätten wohl nicht besser sein können: Achim hatte bei schönsten aufstrebenden Sommerwetter geladen und bot uns Themen, die auch das Gegenteil davon enthielten. So wurden die Tornadoverwüstungen in und um Wittenberg gezeigt und auch die neue automatische Station in Teuchel, die dieses Ereignis am 18.01.2007 nicht dokumentiert hatte, da der Orkan „Kyrill“ für Stromausfall sorgte. Nun aber der Reihe nach.

Am Vormittag sammelten wir uns zunächst alle bei Achim, die da wären: Marco Ringel, Christian Siemianowski nebst Freundin Grit, Jens Tischer und Volker Kunz sowie Ingo Hanke,

der aus Jessen den kürzesten Weg hatte. In dieser Runde sattelten wir die Pferde(-stärken) und fuhren zunächst zur ehemaligen Wetterstation des DWD auf den Weinberg in Teuchel. Diese Station wurde komplett neu errichtet und ausgerüstet. Das Dienstgebäude wurde abgerissen. Stattdessen versieht nun die neue AMDAII den vollautomatischen Messdienst, der aber nicht ganz ohne Probleme abläuft. Zu den kritischsten Sensoren zählen noch  des PWS (PreasentWeatherSensor), der die Niederschlagsarten erkennen und das ww verschlüsseln soll, die Schneehöhensonde, die mittels Ultraschall die Schneehöhe ermitteln soll und auch der neue Sichtgeber, der so seine Tücken hat. Auch der neue Pluvio-Ott hat so seine Probleme bei der Messung des Niederschlages.

So bestaunten nun alle Teilnehmer die neuen Geräte und lauschten Marcos Wort, der hier immerhin 15 Jahre gearbeitet hatte. Leider ist das menschliche Auge eben doch nicht zu ersetzen. Das zeigt sich am Schneehöhensensor, unter dem das Schneebrett liegt. Bei Grenztemperaturen um Null Grad, was im Flachland häufiger auftritt taut der Schnee sofort oder bleibt nur in einem geringen Maße auf dem Brett liegen gegenüber dem Umfeld. Bei gegenteiligem Wetter, also frost mit trockenen Schnee können ungleichmäßige Schneehöhen aufgrund von Verwehungen kaum oder gar nicht korrekt erfasst werden. Ist der Schnee zudem auch noch locker, hat also eine geringe Dichte, bringt der Ultraschall auch eher zu geringe Höhen als bei festen feuchten Schnee. Diese Mängelliste lässt sich

Dies ist der neue PreasentWeatherSensor,

der Niederschlagsarten ermitteln soll

 

 sicher noch fortführen. Der Wettersensor (PWS) soll nun die Niederschlagsarten erkennen, was auch nur spärlich funktioniert. So jedenfalls nach Aussagen von Wetterkollegen, die ihn schon im Einsatz haben. Der Sichtgeber misst nun bis zu 70 km, das ist erst einmal ein Vorteil gegenüber dem Vorgängermodell. Doch treten recht große Schwankungen zwischen den Messungen statt, obwohl die visuelle Sicht keine erkennbaren Unterschiede ergibt. Hier ergibt sich ein Nachteil aus der Messtrecke des Gerätes, die nur rund 50 cm ist. Tritt also der Fall einer lokalen Sichttrübung aufgrund von Gartenfeuer oder ähnliches auf, so kommt es schon vor, das bei tatsächlicher Fernsicht schon mal ein Nebeltag gemessen wird. Dies kann nur ein Beobachter verhindern!  Zum Schluss noch kurz zum Pluvio-Ott, der auch noch mit seinen Kinderkrankheiten zu kämpfen hat. Da es sich um ein Wäageprinzip mit einem ablauffreien Auffangbehälter handelt, ist somit immer eine gewisse Menge Wasser enthalten, dadurch tritt natürlich Verdunstung auf. Nun ist es vorgekommen, dass das Auswerteprogramm in der tat schon mal negativen Niederschlag gemessen hat. Zum anderen kam es bei leerem Gefäß durch Windböen schon mal dazu, dass ein Unterdruck im Gefäß auftrat und ein Sog den Behälter leicht anhob. Beim Senken wurde dann Niederschlag ermittelt. Als letztes Problem sei die Genauigkeit genannt. Hier sollte der Grundsatz gelten. Nicht so genau wie möglich, sondern wie nötig zu messen. Nun wird aber in 1/100 gemessen, was zu kuriosen Summen führt. Durch Rundungen kann die Tagessumme aus den Stundensummen um bis zu einige Zehntel höher sein als die Absoluttagessumme. Nun noch was Positives. Hier ist der Scapp zu nennen, ein Universalstrahlungsgerät. Es misst in der Größe W/m². Durch einen rotierenden Kopf mit einer Spalte zur Belichtung des Sensors kann unmittelbar die Sonnenscheindauer, die Globalstrahlung und die Himmelsstrahlung gemessen werden.

Nach dieser Besichtigung, die noch viel Gesprächsstoff lieferte, ging es nach Kleinwittenberg, um die Tornadoschäden des Winterorkans „Kyrill“ zu begutachten. Diese sind immer noch recht gut zu erkennen. Wenn auch fast nur die reparierten Schäden zu erkennen waren, konnte man dadurch einen guten Eindruck der Schäden erahnen. Nächster Haltepunkt war dann am Elbtor, südlich der Altstadt, auf die wir einen guten Blick vom Parkplatz genießen konnten, nicht ohne faden Beigeschmack. Denn diesen Blick verdanken wir Kyrill, dieser rodete eine alte Kastanienallee dermaßen, dass nun dieser freie Durchblick entstand. Vorher konnte man die Häuser nur erahnen. Als letzte Station hielten wir noch an der Wendel. Dort ist der Tornado direkt durch die Mitte eines Daches gezogen, ein sehr markanter Schaden. Auch die umliegenden Pappeln existieren nicht mehr.

Blick in die Wittenberger Altstadt, die man so vorher nicht gehabt hat

 

Nun hatten wir alle großen Hunger, daher zogen wir uns zur Verköstigung in Achims Garten zurück. Unter der Terrasse gab es dann eine köstliche Soljanka und Gebratenes vom Grill, dazu jede Menge frischer Salate. Allen hat es vorzüglich gemundet.

Der Themennachmittag wurde etwas stiefmütterlich behandelt, zumal die ersten Gäste auch schon vor dem Kaffee wieder die Heimreise antreten mussten. Doch kamen einige Themen zumindest im Ansatz zur Diskussion. So hatte Achim den Leiter des Wittenberger Rechenzentrums Martin Ebert bemüht, mal ein Urteil über unsere Webpräsenzen anzugeben. Seine Kritik würde im Grunde dahingehen, dass jeder Teilnehmer seine eigene Webpräsenz aufgibt und sich in eine gemeinsame Präsenz, folglich regional-wetter.de,  einbringt. Er geht aber auch davon aus, dass das völlig illusorisch ist. Dennoch sollten wir an einer Vereinheitlichung der Optik und Navigation, Namensgebung der Links und ein Abkommen von Fachvokabeln arbeiten. Der Anfang wird sicher nicht vor dem Herbst gemacht, da im Sommer den meisten die zeit für solch PC-Arbeit fehlt.

Als Hauptthema präsentierte uns Achim die gesammelten Daten der ehemaligen Wetterstation Wittenberg seit 1937, die seit Oktober 2005 nur noch als Automat läuft. Die Station weißt einen kriegsbedingten Ausfall vom April 1945 bis zum Juni 1946 auf, der durch Korrelationsberechnungen von umliegenden Stationen, im Besonderen durch die Daten der Säkularstation Potsdam auf dem Telegrafenberg, geschlossen werden soll. Dazu wurde vergleichdatenmaterial erläutert. Nur wenig Zeit verblieb noch für die Datenbank und dem neuen Angebot Webkonrad des DWD. Zur Datenbank des DWD, die nun auch aus unseren Daten erzeugt werden kann, folgt daher ein Artikel für alle Interessierten. Auf Webkonrad, einer javabasierten Internetanwendung des Deutschen Wetterdienstes konnte noch ein wenig näher eingegangen werden. Wie schon der Name verrät, ist dies eine Applikation des KonRad (konvektiver Radarortung). Mit diesem Programm besteht die Möglichkeit, neben dem normalen Deutschlandradar auch die konvektiven Zellen, nebst Gewitterortung und Zugbahn zu verfolgen. Das ganze gibt es 5 Minuten genau und auch als animiertes Archiv von bis zu 3 Monaten. Wer sich das Programm bis Ende Juli heruntergeladen hatte, kann sich freuen. Denn über den normalen Onlinezugang bekommt man seitdem die Daten nicht mehr, der Zugang wurde passwortgeschützt. Aber scheinbar betrifft das nur das Programm, nicht aber die Daten. Diese können auch ohne Passworteingabe angesehen werden. Wenn man im Besitz des aktuellen Programms war.

Marco Ringel

Wetterstation Jänickendorf

ZurückWeiter