Zwischen Fichtelberg und Voigtland

 

Ein Bericht über den Besuch von Wetterstationen und Wetterwarten

 


Von Zeit zu Zeit verschlägt es mich als Wetterbeobachter an andere Dienststellen des DWD, nämlich immer dann, wenn auf einer anderen Wetterwarte Not am Mann herrscht. Dann muss Personal von so genannten IE Stationen, die nicht rund

 

Wetterwarte Fichtelberg 1214 m

 

um die Uhr besetzt sind, auf die Kategorie I Stationen, die rund um die Uhr besetzt sein müssen,  um auszuhelfen. So verschlug es mich also vom 30.05. bis zum 10.06. auf den Fichtelberg, die einst höchste Station des meteorologischen Dienstes, zumindest aber der höchste Berg im Erzgebirge. Nur der Keilberg im tschechischen ist noch 30 m höher und in Sichtweite.  

Seit 1916 wird hier auf dem Berg das Wetter aufgezeichnet. Seit 2009 ist die Wetterwarte auch eine Klimareferenzstation. Das heißt, dass hier auch zusätzlich wieder die 3 Klimatermine wahrgenommen werden. Zu diesen Terminen werden alle Messwerte zusätzlich von der konventionellen Messtechnik gewonnen. Dazu zählen aus der Thermometerhütte die Trocken- und Feuchttemperatur sowie die Extremwerte, die Bodentemperaturen, den Niederschlag und der Luftdruck. Daneben werden auch die Daten der Registriergeräte abgelesen sowie der Regenschreiber und der Sonnenscheinautograph betrieben und ausgewertet. All diese Daten werden zusätzlich an die Zentrale nach Offenbach gemeldet. Die Messungen sollen eine homogene Messreihe neben der neuen Technik garantieren und Vergleiche zulassen, um auch für die Zukunft die richtigen Schlüsse auf die Entwicklung des Klimas ziehen zu können.

Das ist aber nur eine der Besonderheiten hier auf dem Fichtelberg. Alle Messgeräte sind auf einem Podest montiert, so dass sie im Winter nicht gleich einschneien. Bei bis zu 3 Metern Schnee ist dies öfters möglich. Selbst die Wetterhütte musste schon mal von oben her aufgegraben werden, um an die Thermometer zu gelangen. Auch findet man hier einen etwas anderen Hellmann. Dieser hat hier eine Auffangfläche von 500 cm² und steht innerhalb eines Windschattenringes. Ein normaler Hellmann misst hier bei den starken Windverhältnissen viel zu wenig. Gerade im Winter weht der Schnee dann einfach nur drüber hinweg.

 

Messfeld der Wetterwarte Fichtelberg

 

Aber auch bei der Beobachtung gibt es Unterschiede, besonders bei den Wolken. Hier gibt es eben nicht nur welche über der Station. Oft ist man mitten in ihnen, Nebeltreiben genannt. Dann ist die Obergrenze oberhalb und die Untergrenze der Wolke unterhalb der Station. Während der Lücken hat man oft Fernsicht, die bis zur Schneekoppe gehen kann (180km). Besonders sehenswert sind aber Wolken unterhalb der Station. Sind sie nur in einigen Tälern, spricht man dann von Talnebel, schauen neben der Station nur noch die Kuppen der Berge heraus, so hat man ein Nebelmeer.

Im Winter ist dies oft zu beobachten, besonders schön ist dies, wenn dazu noch die Sonne scheint (Inversionswetterlage). Für den Winterbetrieb stehen dann auch noch Schneemessstäbe von 2 m und Schneeschuhe im Vorraum der Station zur Verfügung.

 

Hellmann in Olbernhau

 

Am Himmelfahrtstag zog es mich nach Olbernhau zur privaten Wetterstation von Dirk Christoph. Es war der erste persönliche Besuch, seit 3 Jahren stellt er für den Verein seine Daten zur Verfügung. Da ich zum Nachtdienst musste, war es nur ein Kurzbesuch von 2 Stunden. Denn der Fichtelberg war eine Stunde entfernt. Trotzdem hat es sich gelohnt, mal da gewesen zu sein. Es ist immer besser, die Beobachter persönlich zu kennen. Dirk zeigte mir neben dem Messfeld auch seine Datenverarbeitung. Die Technik ist zurzeit am Limit, weshalb er über eine Neuanschaffung einer Station nachdenkt. Dabei habe ich ihm meine Unterstützung zugesagt. 

 

Kleine Wetterhütte mit Windmast

 

Am Samstag lud die Wetterwarte Zinnwald zum Tag der offenen Tür anlässlich des 40-jährigen

 

Norbert Maercz bei einer der vielen Führungen

 

Der Niederschlagsrekord vom Elbehochwasser vom 312 mm

 

Jubiläums der Beobachtung am neuen Standort am Hochmoorweg ein. Zuvor war sie jahrzehntelang auf dem Geisingberg. Am Eingang stand ein Zelt mit einer Ausstellung über die Aufgaben des DWD und einige Zeitzeugen der Wetterbeobachtung wie alte Tagebuchblätter.  

Mindestens halbstündlich fanden Führungen auf dem Messfeld statt, zeitweise war der Andrang so groß, dass 3 Führungen gleichzeitig unterwegs waren. Zu den Besonderheiten gehörte eine Kanne mit genau 312 mm Inhalt. Genau diese Menge war innerhalb von 4 Tagen vom 9.-14.8.2002 zur Elbeflut hier gefallen.

Anschließend fand eine Powerpoint Präsentation über die Erstellung einer Wettervorhersage im Beobachterraum statt. Jens Oehmichen aus Leipzig und Carola Grundmann aus Weihenstephan, beide ehemalige Kollegen der Zinnwalder Wetterfrösche, waren der Einladung gefolgt, um hier den Besuchern zu erklären, wie eine Wettervorhersage erstellt wird, von der Datengewinnung bis hin zur Bearbeitung der fertigen Prognose durch den Meteorologen. Beides kam sehr fachkundig und für den Laien verständlich-interessant

 

 

herüber. Danach konnte man sich bei Kaffee und Kuchen oder bei einer Bratwurst und Bier wieder stärken. Es war ein sehr gelungener Tag an der Wetterwarte Zinnwald-Georgenfeld.

Einen anderen Tag stand eine Tour vom Erzgebirge bis ins nahe Vogtland an, was mich zunächst an die Wetterstation Carlsfeld des Typs II brachte. Diese Stationen des Deutschen Wetterdienstes sind nicht mehr mit Personal besetzt. Daher wurde das Messfeld auch neu hinter dem ursprünglichen Messfeld angelegt

 

 

und besitzt nun eine eigene Zufahrt, an dem dieses Schild steht. Das ehemalige Stationsgebäude wurde indes veräußert, die AMDA II steht daher in einem Messcontainer.

Neues Messfeld der Wetterstation Carlsfeld im Ortsteil Weitersglashütte

 

Nur einige Kilometer weiter nordwestlich davon im Tal der Zwickauer Mulde gelegen, fuhr ich noch nach Morgenröthe-Rautenkranz. Hier befindet sich die Meteomedia Station. Sie steht hinter der ehemaligen Bahntrasse Aue-Adorf, die Ende der 70-er Jahre durch den Bau der Eibenstocker Talsperre unterbrochen und alsbald stillgelegt wurde. Eben in diesem Tal fließt die Zwickauer Mulde in Richtung Talsperre. Die Station befindet sich im Wiesengrund nur 10 Meter vom Wasser entfernt, das Bodenmessfeld eine Mischung aus Schotter und Bewuchs. Erstaunlich der E-Min Geber in ca. 15cm über dem Boden, der Pluvio höher als 1m. Bei diesem Aufbau wundert es nicht, dass hier Extremwerte gemessen werden, ist Rautenkranz doch als Kälteloch bekannt. Hier will man medienwirksame Werte messen, denn nach WMO-Norm würde der DWD hier nie eine Station errichten. Erstaunlich fand ich, dass die Station in keiner Weise geschützt wurde. Zumindest die alten Betonpfähle lassen davon künden, dass hier evt.

 

 

mal ein Zaun herum gewesen sein musste. Der Wind wird übrigens über der Hauswand des neu errichteten Raumfahrt-museums gemessen. Morgenröthe-Rautenkranz ist der Geburtsort des ersten Deutschen im Weltall Siegmund Jähn, der heute noch gerne hierher zurückkommt und im Rautenkranzer Forst immer noch eine Jagdhütte besitzt. Die Ausstellung war jedenfalls interessanter. 

Hier soll nun auch der Bericht ein Ende finden. In der nähe wären noch die automatischen Wetterstationen Marienberg, Aue und Plauen gewesen, aber dafür war nun keine Zeit mehr, denn die Dienstfolge auf dem Fichtelberg war recht eng.

Marco Ringel

 

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